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Unterbrechung

Es gib Zeiten im Leben, da wird so manchem alles zu viel. Es entsteht der Eindruck, nur noch getrieben und von außen bestimmt zu sein. Die Tage sind terminlich durchgetaktet von beruflichen und familiären Verpflichtungen, die Zeit ist fast minutiös ge- oder besser verplant. Es gibt kaum Lücken im Kalender, um durchatmen zu können.

Doch, und so ähnlich hat es Astrid Lindgren gesagt, es braucht ja auch Zeiten, um einfach mal nur dazusitzen und vor sich hinzuschauen. Wie recht sie damit hat.

Erst in der Ruhe, in einem stillen Moment kann ich bei mir selbst sein, kann in mich hinein lauschen, auf mein Herz hören. Nur so bin ich aufmerksam für die vielen inneren Stimmen, die mir etwas sagen wollen, die ich aber nur allzu leicht im Gehetze und Getriebe des Alltags überhöre.

Sie lassen Antworten erahnen auf wesentliche Fragen: Wie will ich leben? Welche Sehnsucht spüre ich in mir? Aus welchem Geist heraus lebe ich? Was gibt mir Sinn? Bin ich zufrieden? Was brauche ich, um ich mich lebendig zu fühlen?

Johann Baptist Metz, katholischer Theologe und Priester, schreibt, die kürzeste Definition für Religion sei Unterbrechung.

Das Unterbrechen alltäglicher Abläufe, um Raum für tiefere Überlegungen und spirituelle Erfahrungen zu schaffen. Als Gelegenheit, um sich mit sich selbst und der eigenen Lebensweise kritisch auseinanderzusetzen.

Unterbrechen heißt also konkret, sich im alltäglichen Getriebe immer wieder Zeiten zu nehmen, um zur Ruhe zu kommen, bewusst einen Gang zurückschalten, entschleunigen, innehalten.

Um mit sich selbst und mit Gott Verbindung aufnehmen zu können. Auf einem Spaziergang, beim Meditieren, im Gebet. Beim Pilgern, bei einer geistlichen Auszeit, auf Exerzitien. In den stillen Morgenstunden, beim Rückblick auf den Tag vor dem Einschlafen. Beim Dasitzen und vor sich hinschauen.

In all den Unterbrechungen begegnen und finden wir zu uns selbst und werden damit immer mehr zu dem Menschen, als den uns Gott von Beginn an liebevoll in diese Welt gestellt hat.

Elke Wallrapp

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