Wer und was möchte ich gerne einmal sein? Welche Rolle möchte ich wenigsten für ein paar Stunden einmal einnehmen? Manche machen sich ein Spiel daraus, nicht gleich erkannt zu werden. Für manche ist die Verkleidung eine "Schutz-Maske", fast so wie wir sie aus der Coronazeit vor 5 Jahren kennen.
Wahrscheinlich tragen wir alle im Alltag innere und äußere „Schutz-Masken“. Es gibt verschiedenste Anlässe und Gründe dafür. Einer ist vielleicht, die eigenen Schwächen zu verstecken. Wir sind es gewohnt, die kleinsten Fehler und Schwächen unserer Mitmenschen zu sehen, aber wollen gleichzeitig vermeiden, dass man unsere eigenen bemerkt. Darum brauchen wir diese Masken in unterschiedlicher Form – nicht nur im Fasching: Masken der Höflichkeit, der äußeren Freundlichkeit, der Fröhlichkeit, der Überlegenheit, der Überheblichkeit, des Stolzes, der Demut... Wir entscheiden uns meistens selbst, solche Masken zu tragen: Sie dienen dazu, unser Selbstbild zum Ausdruck zu bringen, wie wir uns gerne anderen präsentieren. Dabei stimmen die innere Befindlichkeit und das Äußere nicht immer überein.
Unsere Masken abzulegen, sich manches abzuschminken, das unsere kleineren und größeren Fehler und Schwächen verdeckt oder verbirgt, ist eine ständige Herausforderung. Unser Gegen-über durchschaut unsere Maske oft eher als wir es selbst tun. Und gerade dort, wo andere unsere je eigenen kleineren und größeren Fehler und Schwächen nicht sehen, da sollten wir selbst sie uns ehrlich eingestehen. Auch wenn wir uns dann ohne Masken und Schminke vielleicht manchmal traurig, verletzlich und armselig fühlen, dürfen wir den Mut haben, diese eigene Armseligkeit im Blick auf Ostern ehrlich anzusehen und auszuhalten.
Die Fastenzeit lädt uns wieder dazu ein, viele Masken vertrauensvoll abzulegen, weil wir sie vor Gott und vor den Menschen, die uns nahestehen, nicht brauchen. Solche inneren und äußeren Masken abzulegen, ermöglicht einen weiten, freien, ehrlichen Blick auf uns selbst und auf die Menschen um uns herum. Wenn wir mehr mit Augen und Ohren des Herzens aufeinander achtgeben, dann fällt es uns leichter, nachsichtig mit unseren Fehlern und Schwächen und der unserer Mitmenschen umzugehen – das wünsche ich besonders in der Fastenzeit.
Holger Oberle-Wiesli

