Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Wonnemonat

Es war sehr feierlich und auch rührend: Als es in unserem Dorf noch einen aktiven Chor gab, erklang alljährlich am 1. Mai das Lied „Grüß Gott, du schöner Maien“ über den Dächern. Die Frauen und Männer versammelten sich auf einer Anhöhe und sangen uns pünktlich nach dem morgendlichen Glockenläuten mit Mai- und Frühlingsliedern in den Tag.

Oft wird der Mai auch Wonnemonat genannt. Der Beiname kommt ursprünglich vom althochdeutschen Wort „winnimanod“, das „Weidemonat“ bedeutet: Im Mai konnte man nach dem Winter das Vieh endlich wieder auf die Weiden führen. Dort gab es frisches, neues Grün. In diesen Wochen des Jahres gewinnt die Sonne spürbar an Kraft, die Natur erwacht zu munterem Wachstum. Das bringt auch den Menschen neuen Schwung. So ist es fast logisch, dass man später das Wort umgedeutet hat zum „Wonnemonat“: Wonne als tief empfundene Lebensfreude, als Glücksgefühl und als sinnliches Vergnügen.

In einem ihrer Gedichte zum Mai gibt uns Rose Ausländer wertvolle Hinweise, wie wir uns als Geschöpfe in diesen Maitagen innerlich einschwingen können:

Es ist Zeit sich zu freuen
an atmenden Farben
zu trauen dem blühenden Wunder

Ja es ist Zeit
sich zu öffnen
allen ein Freund zu sein
das Leben zu rühmen

(Rose Ausländer, Mai II, in: Gedichte, Fischer 72012, S. 238)

Karl Pöppel

Zurück